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Das Hausspiel von Mr Dot Poker


Interlaken | 23. Februar 2017

Die Berner Oberland Pokermeisterschaften kürten am Wochenende ihren neuen Champion. Doch das grösste Freeroll-Turnier der Schweiz würde ohne Organisator Patrick Schmid nicht zustande kommen. Sobald sich die Rechtslage ändert, soll es noch weitere Turniere geben.

Zwei Könige zählen zu den besten Händen, doch nicht immer kann man damit gewinnen: Patrick Schmid ist eines der Mitglieder von Pokerhelden und organisiert mit dem Verein die Berner Oberland Pokermeisterschaften.

Zwei Könige zählen zu den besten Händen, doch nicht immer kann man damit gewinnen: Patrick Schmid ist eines der Mitglieder von Pokerhelden und organisiert mit dem Verein die Berner Oberland Pokermeisterschaften.Foto: Urs Häfliger

In der Hand vom Meiringer Patrick Schmid befinden sich zwei Karten, ein Herz Ass und eine Neun derselben Farbe. Drei der zehn Spieler am Tisch bezahlen den Betrag, um die Runde Texas Hold'Em, so der Name der Pokervariante, spielen zu können. Er ist an der Reihe und wirft ebenfalls die notwendigen Chips in die Mitte des Tisches. Der Dealer kehrt die ersten drei Karten des sogenannten Flops auf, nur eine Herz ist dabei.

Der Einsatz wird höher, Schmid zieht mit. Die vierte Karte, der Turn, folgt. Eine weitere Herz liegt auf dem Tisch. Schmid geht volles Risiko und verlangt von seinen Gegnern, dass sie seinen kompletten Geldbetrag bezahlen. All-In heisst das im Fachjargon. Nur einer seiner ursprünglich drei Kontrahenten wagt es. Die Spannung steigt, es liegt nun an der letzten Karte, dem River, wer das Spiel gewinnt. Es ist eine Herz Zwei, Schmid entscheidet die Runde mit einem Flush (fünf Karten derselben Farbe) für sich.

Für Patrick Schmid macht der Adrenalinkick, die Menschenkenntnisse, die Mathematik und das Glück den Reiz des Spiels aus.

Für Patrick Schmid macht der Adrenalinkick, die Menschenkenntnisse, die Mathematik und das Glück den Reiz des Spiels aus.Fotos: Nils Hänni

Helden des Pokers

Es sind solche Momente, die den 25-jährigen Polymechaniker dazu bewegten, mit dem Pokerspielen zu beginnen. «Es fing als Blödelei an», erklärt Schmid. Obwohl er bereits zur Schulzeit online gespielt hat, kam seine Freude am Pokern erst während der Berufsschulzeit auf. Ein Freund brachte Spielchips mit in die Schule, daraus entstand die Idee, einen Plauschabend unter Freunden zu organisieren. «Das gefiel uns so gut, dass wir mehr solche Abende durchführten», so der Meiringer. Freunde von Freunden stiessen hinzu, woraus eine «Community» entstand, wie Schmid erklärt.

Eines Tages entstand die Idee, einen Verein zu gründen. Im Jahr 2010 war es schliesslich soweit, sie gründeten die «Pokerhelden» mit Standorten in Meiringen, später noch Interlaken und Bönigen. In Meiringen treffen sich die Vereinsmitglieder einmal im Monat, um miteinander zu spielen. Eines Tages möchten sie auch in Thun einen Ort finden, um Events zu organisieren, doch diese Idee haben sie zurzeit noch im Hinterkopf, konkrete Gespräche in diese Richtung wurden noch nicht geführt.

Der Gewinner der diesjährigen dritten Ausgabe der Berner Oberland Meisterschaft (BOPM) Marcus Wolter.

Der Gewinner der diesjährigen dritten Ausgabe der Berner Oberland Meisterschaft (BOPM) Marcus Wolter.

Wenig Glück im Spiel

So kam es auch, dass Schmid und seine Vereinsmitglieder auf die Idee kamen, die Berner Oberland Pokermeisterschaften durchzuführen. 60 Spieler fanden sich in diesem Jahr in Interlaken ein, um ihren Meister zu küren. Bereits zum dritten Mal kam es zu diesem Aufeinandertreffen der Zocker, alles Bekannte oder Familienmitglieder der Organisatoren. Es ist das grösste Freeroll-Turnier der Schweiz. Unter Freeroll versteht die Szene, dass die Teilnahme gratis ist.

Das Spielen unter Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern mit Geldeinsätzen ist grundsätzlich legal. Das Gesetz besagt jedoch, dass man Poker nicht aus kommerziellen Zwecken betreiben darf. Es ist ein Problem der Definition: In den meisten Ländern geht Poker als Sport durch, in der Schweiz sei es aber als Glücksspiel eingestuft. Diese Idee trifft bei Schmid auf wenig Verständnis: «Gibt es professionelle Lottospieler? Nein, aber im Poker gibt es Profis. Mit Glück hat es auf der professionellen Ebene weniger zu tun als mit Können.»

Ohne Verein keine BOPM

Einer Gesetzesänderung hat der Nationalrat bereits im Jahr 2012 grünes Licht gegeben. Doch bisher wurde die Umsetzung immer wieder hinausgezögert, auch weil sich Casinos dagegen wehren würden: «Es geht um viel Geld, das sie mit der Umsetzung verlieren würden», erklärt Schmid. Um Geld ging es ihm aber nicht, sondern um den Reiz am Spiel selbst, den Adrenalinkick, die Menschenkenntnis, die Mathematik, und das Glück: «Wie weit kann ich gehen, wie viel bekomme ich vom Gegner, oder wenn es mit der letzten Karte noch zum Sieg reicht, obwohl man die Hand bereits als verloren sah – diese Gefühle sind es, was das Pokerspiel so speziell macht.»

Das seien Gründe, weshalb er auch in Zukunft Meisterschaften durchführen möchte. Trotz der gesetzlichen Lage, die ermüdend sei, kann er sich aufgrund der positiven Feedbacks der Teilnehmer dafür motivieren weiterzumachen. Alleine könnte er das Turnier nicht durchführen, dafür sei das Turnier zu gross. Nur mit der Hilfe Freiwilliger könne er den Event abhalten: «Dank ihnen geht es. Der Zusammenhalt ist Gold wert.» So möchten die Pokerhelden eines Tages die BOPM in ein zweitägiges Turnier in Meiringen umwandeln. «Auch hier wurden noch keine Gespräche geführt, diese werden aber in der nahen Zukunft stattfinden», sagt er. Momentan wird ein Konzept ausgearbeitet, um ein passendes Lokal in Meiringen zu finden.

60 Personen trafen sich Mitte Februar zum gemütlichen Spiel gegeneinander. Rund zehn Stunden dauerte es, bis Sieger Marcus Wolter gekrönt werden konnte.

60 Personen trafen sich Mitte Februar zum gemütlichen Spiel gegeneinander. Rund zehn Stunden dauerte es, bis Sieger Marcus Wolter gekrönt werden konnte.

Der Sucht verfallen

Während der Schulzeit hatte Schmid den Traum, professionell zu spielen. Der Traum existiere inzwischen nicht mehr, auch weil ihm die Schattenseiten bekannt sind. «Du musst spielen. Du kannst es nicht mehr nur aus Freude am Spiel machen. Kommst du in eine Phase, in der es nicht läuft, bekommst du keinen Lohn Ende Monat auf dein Konto», erklärt Schmid.

Der mögliche Gewinn sei gross, so könne dieser etwa bei einer Weltmeisterschaft in die Millionen gehen. Doch die Investitionen, die ein Pokerspieler auf sich nehmen müsse, seien ungeheuer: «Davon redet aber keiner. Ein Profi erzählt lieber, dass er an einem Abend mehrere Tausend Franken gewonnen, aber nicht, dass er am selben Abend das Doppelte oder Dreifache verloren hat», so Schmid.

Zwei Asse, sogenannte Airlines (in Bezug auf American Airways) müssen beim Poker subtil gespielt werden, damit man die Gegner um ihre Chips erleichtern kann.

Zwei Asse, sogenannte Airlines (in Bezug auf American Airways) müssen beim Poker subtil gespielt werden, damit man die Gegner um ihre Chips erleichtern kann.

Er selbst hat ebenfalls die Schattenseiten kennengelernt, gerade in der Zeit, als er noch online spielte. Er sei zu dieser Zeit ein wenig abgestürzt und in ein «Loch» gefallen. Doch dank der Hilfe seiner Eltern konnte er sich zusammenrappeln, sodass er die Lehre machen konnte, die er wollte: «Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, wenn ich mich in der Schule nicht anstrenge, werde ich die Lehrstelle als Polymechaniker bei der Zentralbahn niemals erhalten». Inzwischen glaubt er gar, dass er einer Sucht verfallen war. «Ich dachte, ich könnte aufhören, wann ich wollte. Doch das war nicht so.» Seine Mutter war ebenfalls dieser Überzeugung und fragte oft, ob er nicht süchtig sei. Auch ihr wollte er damals nicht glauben. Heute kann er das Ganze nüchtern betrachten: «Ich bin froh, habe ich die Kurve noch gekriegt.»

Der Traum von der WM

Spielen, das macht Schmid heutzutage nicht mehr so oft. Die Organisation der Events, der Beruf und sein Freundeskreis sei ihm wichtiger, er nehme deshalb auch oft als Dealer Platz am Tisch. Einen spielerischen Traum möchte er sich aber noch erfüllen: «Ich würde gerne an der Weltmeisterschaft in Las Vegas antreten», so Schmid. Einer der rund 8000 Teilnehmer sein beim Turnier, das über sieben Tage andauert. Zwischen Schauspielern und anderen Teilnehmern sitzen und diese spezielle Atmosphäre erleben, das ist sein Wunsch. Dass er die WM erfolgreich gestalten könne, glaubt er indes aber nicht: «Ich werde wohl nie auf einem so hohen Niveau sein, um etwas reissen zu können.»

Wer solche Karten vorweisen kann, darf im Normalfall beinahe alle Chips einsammeln. Hier liegt ein Royal Flush, eine Strasse von der Zehn bis zum Ass von der gleichen Farbe.

Wer solche Karten vorweisen kann, darf im Normalfall beinahe alle Chips einsammeln. Hier liegt ein Royal Flush, eine Strasse von der Zehn bis zum Ass von der gleichen Farbe.

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Author: Lonnie Sweeney

Last Updated: 1703354403

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